Jubiläum Frauenchor 60 Jahre

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Jubiläumskonzert des Frauenchor Niedererbach

Altenkirchen. Frauen unter sich, und dann auch noch so viele…! Sollte Mann da nicht besser das Weite suchen? Fürs Shoppen, Kaffee trinken oder für abendliche Dessous-Partys mag das gelten, nicht aber fürs Singen! Der Frauenchor Niedererbach feierte am Samstag seinen 60. Geburtstag in der Christuskirche und hatte zum großen Jubiläumskonzert nicht nur den niederländischen „Vrouwenkoor Con Brio Etten“ eingeladen. Nein, auch der MGV Niedererbach gab sich die Ehre und steuerte (moralisch unterstützt durch einen hohen Anteil männlicher Besucher) einige seiner schönsten Lieder bei. Denn so sind die Erbacher – wenn sie feiern, dann zusammen!
Und so wurde es ein außerordentlich vergnügter Abend mit einer frühlingshaft leichten Musikauswahl, die alle Genres abdeckte und wieder einmal zeigte, wie leistungsstark das „Singende Dorf“ ist. Die Jubel-Frauen machten natürlich den Beginn, gut aufgelegt und zu Recht mit stolzer Attitüde: Im November 2015 erarbeitete sich der Chor unter seinem Dirigenten Tobias Hellmann den achten Meisterchortitel. Nach dem bedächtigen Stück „Abend wird es wieder“ interpretierten die Damen John Rutters zu Herzen gehendes Werk „For the beauty of the Earth“ und wurden dabei von der jungen Sängerin Franziska Becker am Klavier unterstützt. Auch „Cantus Iteratus“ von Karl Jenkins, ein afrikanisch anmutendes Silbenspiel, Oliver Gies „Kleiner grauer Falter“ oder Bond-Song „Skyfall“ machten dem Publikum in der voll besetzten Kirche viel Freude. Pianist Christoph Fiedler erwies sich hier als souveräner Begleiter. Die Herren setzten mit geballter „Manpower“ dagegen, zeigten aber auch ihre verletzliche Seite. „Vivat Musica!“ von Pjotr Janczak, Mathieu Neumanns „Unter der Linde“, „Sommerlied“ und „Trinklied“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy standen in gelungenem Kontrast zu „Wie kann es sein?“ des Wise-Guys-Star Daniel „Dän“ Dickopf oder „Daheim ist“ von Chormusik-Mogul Lorenz Maierhofer.
Es ist wahr, die Heimat bedeutet den Erbacher Sängerinnen und Sängern viel. Sie schauen aber auch über die Grenze: Während die Männer seit Menschengedenken mit der Partnerstadt Tarbes kooperieren, pflegen die Frauen eine ebenso enge sängerische Freundschaft. Seit 46 Jahren musizieren sie immer wieder mit dem „Vrouwenkoor Von Brio“ aus Etten bei Emmerich, und es mag Ironie des Schicksals sein, dass diese Verbindung ausgerechnet von männlicher Hand arrangiert wurde…. 1970 nämlich suchte der Männerchor Neitersen, bei dem der Ettener Männerchor gerade zu Gast war, auch was „für die Frauen“ – und da weit und breit nur die Erbacher Damen zu finden waren, war die Sache schnell besiegelt. Vollkommen klar, dass das Ensemble mit seinem Leiter Nick Moritz auch diesmal anreiste. Die Niederländerinnen waren eigens zu diesem festlichen Anlass aus dem Pilcher-Film gehüpft. Ihre bunten Sommerkleider und originellen Hüte passten wunderbar zur Henry Purcells „Fairest Isle“ und John Dowlands „Come gain!“, machten sich aber auch gut bei Pablo Casals „Nigra sum“ oder „You are the new Day“ von John David. Bob Chilcotts „All for love of One“, das gemeinsame Lied der Sängerinnen, bildete letztlich den Höhepunkt des in jeder Hinsicht farbenfrohen Konzertes. Möge diese wertvolle „Freundschaft ohne Grenzen“ noch lange währen.
Quelle: Rhein-Zeitung (25.04.2016)